Eine junge Landärztin berichtet

Frau Dr. Petra Robben-Bathe, Fachärztin für Allgemeinmedizin, St. Märgen (Versorgungsbericht 2009 der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, S. 36/37)
Dr. med Petra Robben-Bathe

Eine junge Landärztin berichtet

In meinem Sprechzimmer schwebt der mir mittlerweile vertraute Stallgeruch, den meine Patienten, die direkt von ihrer Arbeit zu mir kommen müssen, mitbringen.
Seit zwei Jahren gehört er zu meinem Alltag als Allgemeinärztin in ländlichem Gebiet.

Im Jahr 2007 ergab sich für mich die Möglichkeit, einen Kassensitz in einer Gemeinschaftspraxis in St. Märgen im Hochschwarzwald zu übernehmen.
Wir zwei Allgemeinmediziner versorgen die Menschen in und vor allem auch um St. Märgen herum medizinisch. Weitere Ärzte am Ort gibt es nicht.

Der Luftkurort St. Märgen mit seinen rund 2000 Einwohnern ist traditionell bäuerlich ausgerichtet, hat aber heute auch einen bedeutsamen touristischen Schwerpunkt. Neben dem alten Kloster bietet der Ort ein vielfältiges naturnahes Angebot wie Langlauf, Wandern, Nordic Walking und schwerpunktmäßig Mountainbiking. Dementsprechend setzt sich unsere Patientenklientel zusammen aus den alteingesessenen Bauern, die das Umland besiedeln, der Ortsbevölkerung und vielen Touristen. Da die nächsten fachärztlichen und stationären Versorgungsmöglichkeiten 20 km entfernt sind und die öffentlichen Nahverkehrsmöglichkeiten nur begrenzt zur Verfügung stehen, sind wir tatsächlich noch bei fast allen Beschwerden erste Anlaufstation, vom Säugling bis zum Greis. Nur die Geburten managt zum Glück die Hebamme. Dementsprechend groß ist auch der Anteil an kleinen chirurgischen Eingriffen und Wundversorgungen, die wir durchführen.

Entlegene Höfe, verschneite Straßen

Neben der abwechselnden Sprechstunde besuchen wir die Höfe im Umland, was besonders im Winter und in der Dunkelheit eine besondere Herausforderung darstellt. In der Anfangszeit benötigte ich öfters eine der medizinischen Fachangestellten als „Guide“, da die Höfe auch mit Navigationssystem sonst nicht zu finden sind. Hier hilft nur gute Ortskenntnis
und im Winter entweder ein Allradfahrzeug oder starke Nerven. Denn bis die Zufahrten zu den Höfen geräumt sind, können mitunter Tage vergehen. So musste ich mich schon vom Bauern mit dem Traktor aus dem Schnee ziehen lassen.

Enge Beziehungen nach allen Richtungen

Unterstützt werden wir bei unserer Arbeit durch die ambulanten Pflegedienste, mit denen wir in engem und unkompliziertem Kontakt stehen, sodass wir vieles an sie abgeben können bzw. auch wertvolle Informationen zurückbekommen, ohne immer selbst losfahren zu müssen. Ohne diese Einrichtungen wäre die Versorgung nicht zu leisten. Eine weitere wesentliche Entlastung ist die Anbindung unserer Praxis an die Freiburger Notfallpraxis, die den nächtlichen Notdienst und am Wochenende übernimmt. Regelmäßig leiste ich dort ebenfalls Wochenenddienste ab, brauche dafür aber die anderen Wochenenden nicht zur Verfügung zu stehen.

Obwohl gerade im Winter die Arbeitsbedingungen manchmal widrig sind und ich als gebürtige „Flachlandtirolerin“ schon mit dem Schnee und den Bergen zu kämpfen habe, macht mir die Arbeit auf dem Land sehr viel Freude. Die Patienten wissen es sehr wohl zu schätzen, wenn wir uns für sie einsetzen, und danken es uns durch stabile und vertrauensvolle Arzt-Patient- Beziehungen, die sich über Generationen fortsetzen. Und tatsächlich honoriert der eine oder andere statt mit großen Worten den Hausbesuch mit ein paar Eiern.

Gedanken an ein zweites Standbein

Nun ist natürlich auch bei uns nicht alles rosig. Ob wir langfristig so weiterarbeiten können ohne zu große finanzielle Einbußen, ist ja ungewiss. Im April 2011 habe ich eine Nebenbetriebsstätte in St. Peter eröffnet  und die Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren begonnen. Insofern hält die allgemeine Entwicklung hin zu Kooperationen auch auf dem Land Einzug und wir werden hoffentlich dabei sein.

  • St. Märgen im Schwarzwald